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Supertell

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Main-Echo: Von Schiller-Klassiker kräftig den Staub weggepustet: "Supertell"

Staatliche Realschule für Knaben inszeniert Drama um Schweizer Nationalhelden
Aschaffenburg. Nachwuchsprobleme kennt die Theatergruppe der Staatlichen Realschule für Knaben nicht. Während es Schul-Bühnen häufig an männlichen Schauspielern mangelt, kann Regisseur Siegfried Staab über geringen Zuspruch von Seiten seiner Schüler nicht klagen: 20 Akteure in 51 Rollen sowie 5 Techniker von der 6. bis zur 10. Klasse machen mit bei der aktuellen Inszenierung "Supertell", einer Adaption des Schiller-Klassikers "Wilhelm Tell".
Ab dem 18. Juli wird die sehr freie Interpretation des klassischen Stoffes im Jugendkulturzentrum aufgeführt.
"Ich wollte einfach mal ein Schiller-Stück machen", erläutert Staab knapp die Wahl des Themas. Dass es sich um keine artige Eins-zu-Eins-Umsetzung des Dramas um den Schweizer Nationalhelden handelt, weiß jeder, der die originelle Schultruppe schon einmal bei einer ihrer früheren Inszenierungen auf der Bühne erlebt hat. Und das lassen auch die Kostüme zum aktuellen Stück erahnen, die kürzlich bei einer Foto-Session auf dem Aschaffenburger Marktplatz präsentiert wurden.


Entworfen wurde die orginellen Bühnenkleider wie immer von Margarethe Staab. Da blinkt eine Heino-Perücke und eine 70er-Jahre Piloten-Sonnenbrille aus dem Fundus. Ein Schüler hat sich eine goldene Lametta-Perücke aufgesetzt und Engelsflügel umgeschnallt. Und überall betonen weiße Kreuze auf knallroten T-Shirts die eidgenössische Dimension des Stücks. Für "Supertell" wird das Grundgerüst des Wilhelm-Tell-Dramas stark auf seine Stabilität hin abgeklopft. Von Schillers Original übernommen hat der Regisseur die Gliederung in fünf Aufzügen. Die Zahl der Szenen wurde von 15 auf 13 zurechtgestutzt. Auf eine realistische Deutung haben Staab und seine Schüler bewusst verzichtet. "Es erschien uns als sehr schwierig, eine Mutter von zwei Kindern, die nebenbei in einem Fernstudium Diplompsychologie studiert, von einem 14-jährigen Schüler spielen zu lassen, der gerade dabei ist, das Klassenziel zu verhauen", erfährt der Leser des aktuellen Programmhefts. Man habe sich auf die "Spiel-im-Spiel-Methode" verlegt, eine Technik, die ironische Distanz zur dargestellten Figur schafft.

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Main-Echo: Die "hohle Gasse" blieb drin

Künstlerische Freiheit kennt freilich auch ihre Grenzen. "Der Satz ?Durch diese hohle Gasse muss er kommen...? musste natürlich drin bleiben", sagt Staab. Auch die Handlung wurde in groben Zügen von Schillers Original übernommen. Der Geßler-Hut, vor dem sich die geknechteten Untertanen verbeugen müssen, findet ebenso seinen Platz wie die berühmte Apfelschuss-Szene.
Doch abgesehen von derlei Zugeständinissen wurde von dem Schiller'schen Befreiungsdrama mächtig der Staub weggepustet. Aktuelle Musik, eine moderne Choreografie und kräftig überarbeitete Dialoge sorgen dafür, dass "Supertell" nicht zur drögen Geschichtsstunde verkommt. Das Bühnenbild wurde bewusst schlicht gehalten. Overhead-Projektoren und wenige Requisiten - mehr braucht die Theatergruppe nicht, um ihr Stück wirkungsvoll auf die Bühne zu zaubern. "Das entspricht unserem Stil", erklärt Regisseur Staab.
Für ihre originellen und mitreißenden Inszenierungen ist die Theatergruppe der Staatlichen Realschule für Knaben seit langem bekannt. Mit Stücken wie "Maiferläidi" oder "Blut schmeckt gut" haben sie in der Vergangenheit auch überregional für Aufsehen gesorgt. Erst kürzlich begeisterte die Truppe mit ihrer frechen "technoauffrisierten" Richard-Wagner-Hommage "nibel-zip" bei den 18. Theatertagen der Realschulen (wir berichteten). "Supertell" ist die bereits achte Inszenierung, die Siegfried Staab mit seinen Schülern einstudiert.
Auf eine zwanghafte Aktualisierung haben die jungen Schauspieler und ihr Regisseur verzichtet. "Wo werden heutzutage noch Äpfel von Köpfen geschossen, auf Stangen befindliche Hüte in Fußgängerzonen aufgestellt oder Tyrannen in hohlen Gassen erledigt?" Für Lokalbezug sorgen Aschaffenburger Motive, die als Bühnenbild fungieren. Wobei sich die Frage "Ist Tell der eigentliche Held?" erst nach einem Besuch des Theaterstücks klärt.

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