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Das Zähmen der Spitzmaus

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Zahme Spitzmaus

Theatergruppe der Knabenrealschule mit Shakespeare


Aschaffenburg.
Wenn es eines Beweises bedarf, hat ihn die Theatergruppe der Staatlichen Knabenrealschule in Aschaffenburg erbracht: Die Dichtung von Bühnenwerken ist nichts, was das Internet der Menschheit abnehmen könnte. Denn da wird aus Shakespeares »The Taming of the Shrew«, im Deutschen als »Der Widerspenstigen Zähmung« bekannt, »Das Zähmen der Spitzmaus«.
Den »überaus bescheuerten Titel« hat die Theatergruppe um ihren Lehrer und Regisseur Siegfried (»Siggi«) Staab übernommen. Ansonsten hielt sie sich doch lieber an die Textfassung von Wolf Heinrich Graf Baudissin aus den Jahren 1843/44, die im deutschsprachigen Raum gebräuchlich ist. Eine modernere Übersetzung sei nicht zu finden gewesen, berichtet Staab, und die Übersetzung des Internetprogramms »babelfish« scheine den Sinn des Shakespeareschen Originals nicht zu treffen: »Was hat eine Spitzmaus mit einer widerspenstigen Person weiblichen Geschlechts zu tun? Diese Frage blieb offen.« Auch die Übersetzung des Satzes »God save you, Sir« mit »Gott speichern Sie, Sir« habe der Gruppe nicht gerade Mut gemacht.
Dabei wollte Staab mit seinen Jungs »endlich etwas Lustiges« auf die Bühne bringen - nach all den »Eifersuchtsdramen und Totschlagsstücken« der vergangenen Jahre. Richtig, bisher überwogen die ernsten Stoffe wie »Karmen«, »Cäsar und Cleoprata«, »Fausteins« oder »Turandot«. Allerdings inszenierte Staab sie in seiner skurrilen und hintergründigen Art - mit anderen Worten: in höhst erheiternder Weise, die den großen Stoff tief im Gedächtnis der Schüler und Zuschauer verankerte.
Wie wird die Theatergruppe der Knabenrealschule dann erst mit einem Stück umgehen, das von vorne herein als Komödie angelegt ist? Im Mittelpunkt steht die kratzbürstige Katharina, die unter die Haube kommen muss, damit ihre jüngere Schwester Bianca den Hafen der Ehe ansteuern kann. Petruchio nimmt sich der Aufgabe an - dem Original nach erfolgreich, spricht die Widerspenstige doch am Ende vom Ehemann als »Herr, Erhalter, Licht, Haupt und Fürst«.
Ob es in der Staabschen Version so weit kommt? Der Regisseur lässt Zweifel aufkeimen: Der Umgang Petruchios mit einer Frau, die offensichtliche psychische Probleme habe und hyperaktive Symptome zeige, sei »für ein Bühnenstück mit lustiger Tendenz nicht akzeptabel«, lässt er inhaltliche Eingriffe ins Original erkennen. Darüber hinaus sollen überraschend die Freunde der italienischen Oper auf ihre Kosten kommen: Ein »nur bedingt begnadetes Ensemble« spule Verdis Oper Rigoletto in weniger als zehn Minuten ab.
Wie immer werden ausschließlich Knaben, 19 an der Zahl, alle 36 Rollen der (traditionsgemäß ungewöhnlichen) Liebesgeschichte besetzen. Ebenfalls Schüler sind die fünf Techniker, die für Licht, Ton und Einblendungen sorgen. Und was die Handlung betrifft, kündigt Staab an: »Schon wieder Gewalt? Schon wieder auf die Frauen? Ganz klar: nein! Unser Held findet eine saubere Lösung, nämlich eine medikamentöse!«
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker oder schauen Sie sich das Stück an. Peter Freudenberger
Restkarten für Donnerstag/Freitag, 19. und 20. Juli, Montag/Dienstag 23. und 24. Juli, 19.30 Uhr zu bestellen unter Telefon.


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Glückliches Ende mit »Macken-Ex«»
Das Zähmen der Spitzmaus«: Schrille Shakespeare-Inszenierung der Knabenrealschule Aschaffenburg

Aschaffenburg. Es ist keine possierliche Zirkus-Dressur, die sich auf der Bühne im Jugendkulturzentrum abspielt, sondern eine völlig abgedrehte Inszenierung der Shakespeare-Komödie »Der Widerspenstigen Zähmung« (»The Taming of the Shrew«). Dass in der Version der Knabenrealschule Aschaffenburg daraus »Das Zähmen der Spitzmaus« wurde, lag am Internet-Programm »babelfish«, das bei der Übersetzung des Wortes »Shrew« der »Spitzmaus« den Vorzug vor »Xantippe« gab.
Die Theatergruppe der Knaben-Realschule hat sich nicht zum ersten Mal an eine Komödie gewagt, wenngleich die dramatischen Stoffe bisher überwogen: Carmen, Faust, Turandot, Wilhelm Tell, Romeo und Julia. Schon immer führte der Regisseur und Lehrer Siegfried Staab seine Schüler und das Publikum zudem mit skurrilem Humor an die ernsten Themen heran. Dennoch war es unerwartet, wie sich das in dieser Komödie steigern würde, welche Heiterkeit Shakespeare heute noch auszulösen vermag, wenn er von kauziger Hand neu arrangiert wird.
»Der Widerspenstigen Zähmung« ist als Verwechslungskomödie und als Spiel im Spiel angelegt: Eine Schauspieltruppe führt dem (vermeintlichen) Lord das Stück auf, in dem der Edelmann Petruchio die widerspenstige Katharina bändigt und damit den Weg frei macht für die Freier, die auf Katharinas jüngere Schwester Bianca aus und zum ständigen Rollentausch gezwungen sind. Diesen Rollentausch, beliebtes Mittel ungezählter Komödien, treibt Staab derart auf die Spitze, dass am Schluss nur seine Darsteller selbst wissen, wen sie gerade verkörpern. Nahezu irre, aber irre komisch!
Auf die Spitze treibt Staab auch das Spiel im Spiel. Als Petruchio und Katharina Hochzeit feiern (Spiel im Spiel), lässt er eine Theatergruppe auftreten, die zur Unterhaltung der Gäste Verdis »Rigoletto« gibt - ein Spiel im Spiel im Spiel. Mehr noch: Als sich am Ende alle Verwechslungen aufklären, bleibt Rigoletto in seiner Rolle gefangen. Verzweifelt sucht er seine Tochter, die er durch tragische Verwechslung selbst ermordet hat.
Aus pädagogischen Gründen hat Staab den Prozess der Zähmung verändert: Petruchio läutert Katharina nicht durch körperliche und seelische Grausamkeit, sondern mit Medikamenten. Pädagogisch bedenklich: Auch die verschmähten Freier und der trauernde Rigoletto werden mit »Macken-Ex«-Tabletten glücklich.
Die 1700 Besucher der acht Aufführungen mussten nicht auf die spritzigen Zutaten verzichten, die zum Markenzeichen der erfolgverwöhnten Knaben-Theatergruppe geworden sind: ballettartige Aufzüge und Abgänge, perfekte Playback-Einlagen, schrille Kostüme (Margarethe Staab) oder ironische Video-Bild- und -Texteinblendungen.
Wer die heitere Leistung der 19 Schauspieler in 36 Rollen, der fünf Techniker und ihres Regisseurs noch sehen will: Am 8. und 9. Oktober, jeweils 19.30 Uhr im Jukuz, gibt es zwei Zusatztermine.
Peter Freudenberger

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