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Main-Echo
Theatergruppe der Knabenrealschule _verdient sich mit »Cäsar & Cleoprata« den Lorbeerkranz
Aschaffenburg. Anders als im Vorjahresstück »Fausteins« gebe es diesmal keine großen Lacher, vertraute Reggiseur Siegfried Staab vorab dem Main-Echo an. Die Theatergruppe der Staatlichen Realschule für Knaben halte es im diesjährigen Schauspiel »Cäsar & Cleoprata« eher mit dem leisen Humor.
Um das klarzustellen: Wer bei den bisher drei Theaterabenden im Jukuz nicht mehrmals herzhaft gelacht hat, muss ein arger Sauertopf sein. Der Gesamteindruck entsprach den Erwartungen, die Staab in zehn früheren Stücken geweckt hat. Erfrischend kurzweilig und unterhaltsam, gerne komisch und oft skurril präsentierte die Theatergruppe den Stoff aus der Feder des Nobelpreisträgers Bernard Shaw.
Um dessen »Cäser und Cleopatra« für die jungen Akteure (12 bis 18 Jahre) spielbar zu machen, wurden die Handlung gestrafft, die Texte ohne Furcht und Gnade umgeschrieben und verjüngt. Dass etliche Figuren mit Sprachfehlern ausgestattet wurden, sollte nicht nur der Komik dienen, sondern auch nachdenklich machen: Cäsars Weigerung, die ägyptischen Namen richtig auszusprechen, darf durchaus als Ausdruck seiner Geringschätzung der fremden, »unterlegenen« Kultur verstanden werden. Wie es überhaupt gelang, die Botschaft des Stücks über Unterwerfung und Aufstand, Macht und Intrige deutlich herauszuarbeiten: Gewalt erzeugt Gewalt.
Talent und harte Probenarbeit
21 Knaben in 46 Rollen setzten die Shaw-Persiflage »Cäsar & Cleoprata« perfekt um. Das beginnt schon mit der Kunst der Darstellung. Ob Hauptrolle oder Lanzenträger, Männlein oder Weiblein - jede Besetzung ein Volltreffer. Es ist erstaunlich, wie sich die Jungs in ihre Figuren hineinfinden und sie ausfüllen - Zeugnis von Talent und harter Probenarbeit zugleich.
Sicher hatten es Christopher Harth (Cäsar), Alexander Marx (Cleopatra), Timo Zahn (Rufio), Johannes Bergmann (Britannus), Steffen Rohmann (Pothinus), Erich Alberti (Ftatateeta) und Matthias Koch (Apollodorus) mit ihren großen Rollen am schwersten. Doch dafür besetzten Max Brendler, Matthias Hubert, Max Schleier und Christopher Hauck sogar vier Rollen, oder Dustin Paulus, Uwe Wenzel, Dennis Schwind und Johannes Weltin gleich drei. Selbst an die Doppelrollen (Patrick Mattern, Florian Zimmer, Christoph Berger, Dominic Debor und Philipp Lorscheider) gab es besondere Anforderung: Mal war zwischen Frauen- und Männerkleidern zu wechseln, mal neben dem römischen Soldaten der Nubier zu mimen - was im Sinne des Themas Toleranz zum Running Gag wurde (»Sieh? mal, ein schwarzer Römer!«)
Dabei offenbarte sich das schauspielerische Talent nicht nur in den Sprechrollen. Häufiger noch als in den Stücken der Vorjahre sind in »Cäser & Cleoprata« parodistische Einlagen und choreografisch ausgefeilte Tänze eingestreut. Mienenspiel und Bewegungen, alles muss hier stimmen - und es stimmt. Das ist ein Markenzeichen der Theatergruppe: Kein Finger wird zufällig gekrümmt; jeder Schritt, jede Kopfdrehung ist feinsäuberlich abgezirkelt. Doch wenn die Knabenrealschüler auf der Bühne stehen, scheint alles mühelos und natürlich.
Stichwort Parodie: Schon immer griff Siegfried Staab gerne auf Playback zurück, um Heiterkeit zu erzeugen. In »Cäser & Cleoprata« zieht sich dieses Stilmittel durch alle Szenen. Da blasen zwei ägyptische Sklaven zur Konservenmusik (scheinbar) die Trompete, da mimt Cleopatras Amme Ftatateeta Gloria Gaynor. Nicht nur Sänger wie Frank Sinatra und Rudi Schurike oder Gruppen wie Abba liefern den Background, sondern auch Schröder, Merkel, Stoiber und Loriot.
Auf Playback kann Cäsar Christopher Harth an einer Stelle sogar verzichten. Als die alexandrinische Bibliothek in Brand gesetzt wird, kommentiert er das Geschehen mit einer Reich-Ranicki-Imitation: »Zum ersten Mal sind diese Bücher zu etwas nützlich. Sie senden Wärme aus.«
Klar, dass zu dieser Szene eine stumme Filmsequenz abläuft, die den Literaturkritiker beim Plaudern zeigt - das Playback wird damit umgekehrt. Die Film- und Texteinblendungen, die auf zwei Leinwänden das Geschehen auf der Bühne erläutern, erweitern und ironisch kommentieren, sind ein weiteres Markenzeichen des Knabenrealschul-Theaters - viel Arbeit für die vier Techniker Marvin Loch, Andreas Koch, Benedikt Schmitt und Andreas Jung.
Es ist die Schauspielkunst, die jugendliche Knaben zum »korrekten Frauenhelden« Cäsar, zur »etwas feldbuschigen« Cleopatra oder zum altersgebeugten Pothinus werden lässt. Abgerudet wird die Illusion aber durch die farbenfrohen und einfallsreichen Kostüme, für die Margarete Staab verantwortlich zeichnete. Dass die Tochter Alena erstmals einige der originellen Kopfbedeckungen beigesteuert hat, zeigt: Das Theaterspielen ist an der Knabenrealschule eine Art Familienangelegenheit geworden.
Beim Schlussapplaus setzt Cäsar dem Regisseur Siegfried Staab den Lorbeerkranz auf. Verdient hätten ihn aber alle, die an dieser temporeichen, lustigen und hintergründigen Inszenierung mitgewirkt haben.
Peter Freudenberger





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